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| Gedicht |
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Meyers suchen Bernstein
Wandert man an Baltrums Strande
liegt da allerlei im Sande:
Hübsche Mädchen, braun und schlank,
alte Schachteln, Blasentang,
Schneckenhäuser und vor allem
bunte Muscheln, Krebse, Quallen,
manchmal auch mit sehr viel Glück
findet man ein Bernsteinstück.
Meyers deshalb unverdrossen
sind heut´ felsenfest entschlossen,
Bernsteinstücke aufzuspüren,
dann dieselben zu polieren,
auf daß Mutter kriegt ´ne nette,
selbstgesuchte Bernsteinkette.
Meyers wandern an den Strand
und durchwühlen hier den Sand.
Bei den schwarzen Modderzonen
soll es sich besonders lohnen.
Vater Meyer weil nicht dumm,
gräbt die ganze Pampe um,
hoppla, halt, schon hat er was:
Schiet, nur braunes Flaschenglas.
Aber jetzt das nächste schon:
Leider nur ein Lutschbonbon.
Mutter wühlt im Schlick herum,
findet Kolophonium,
eine alte Bademütze
und dazu in einer Pfütze
unter einer schwarzen Schicht,
Zwiebeln, aber Bernstein nicht.
Heini Meyer sucht indessen
bei den Buhnen wie besessen.
Zwischen Holz und schwarzen Steinen
sieht er´s plötzlich golden scheinen,
"Bernstein", ruft er freudiglich,
aber leider irrt er sich
denn es ist in diesem Falle
eine Pampelmusenschale.
Erna Meyer sucht nicht sehr,
sie guckt nur so nebenher,
trotzdem lächelt ihr das Glück,
sie findet ein großes Stück.
Heini nimmt es in die Hand,
Mutter prüft es mit Verstand,
Vater nimmt´s in Augenschein:
Dieses hier muß Bernstein sein.
Frohen Sinnes eilet man
damit zu Frau Mindermann.
Diese schlägt das wunderschöne
Stück zur Probe an die Zähne,
dreht es hin und dreht es her
und spricht dann - es fällt ihr schwer-
"Tja, das Stück hier, groß und herrlich,
das ist Seife, aber ehrlich"
Dieses schmettert Meyers nieder,
doch als erste faßt sich wieder
Mutter Meyer und sie spricht:
"Nochmal suchen tu´ ich nicht!"
Und kauft sich sodann´ne nette
Mindermannsche Bernsteinkette!
Ch. Sauerborn (Quelle: Inselglocke)
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